Nur Trägerfunktion
Erstellt 30.12.08, 21:35h
Entdeckt hat das JWH-018 das Unternehmen „THC Pharm“, das medizinische Wirkstoffe aus der Cannabispflanze herstellt. „Der Fund war reiner Zufall“, sagt Patrick Seck, Leiter der Qualitätssicherung. Die Forscher hatten gerade einen Stoff in einem Schmerzmittel untersucht als die Ähnlichkeit zu der Chemikalie JWH-018 auffiel, die die Firma vor Jahren selbst hergestellt hatte. „JWH- 018 wirkt wesentlich stärker als der natürliche Cannabis-Wirkstoff THC“, so Seck. Dadurch ließen sich eindeutig die Rauschzustände nach dem Spice-Konsum erklären.
„Wir haben schon lang gedacht, dass die Kräuter nur ein Träger für einen pharmakologischen Stoff sind“, berichtet Thomas Daldrup. Der Toxikologie-Professor an der Universität Düsseldorf hatte bereits Mitte Oktober erstmals Spice untersucht, damals aber noch keine Stoffe gefunden, die die rauschhafte Wirkung erklärten. Doch bereits in seiner damaligen Analyse warnte er vor Kreislauf- und Wahrnehmungsstörungen, die bereits bei geringen Mengen auftraten. „Jetzt wissen wir, dass die Kräuter nur Träger für die pharmakologische Substanz sind. Es ist schlichtweg kriminell, Chemikalien einfach so unterzumischen“, sagt Daldrup.
Daldrup geht davon aus, dass weit mehr Stoffe mit der Wirkung eines JWH-018 im Umlauf sind als bisher bekannt. „Es gibt 100 und mehr solcher synthetisierten Drogen. Sie wurden ursprünglich von Forschern entwickelt, um die Funktion der Cannabis-Rezeptoren im Körper zu erforschen.“ Ihr Herstellungsweg sei genau dokumentiert. Jedes gut ausgestattete Labor könne die Drogen herstellen. „Wir haben gerade eine Kräutermischung untersucht, die ebenfalls Rauschzustände auslöst, aber eine andere synthetische Droge als das JWH-018 haben muss“, sagt Daldrup.
Patrick Seck von „THC Pharm“ hat deshalb auch Zweifel, ob die Aufnahme von JWH-018 im Betäubungsmittelgesetz sinnvoll ist. „Dann nehmen die Leute eben einen anderen der Stoffe, die ähnlich sind. Es gibt ja genug davon, die im Internet zu bekommen sind.“ Der Toxikologe Daldrup dagegen begrüßt die Pläne der Drogenbeauftragten, Spice und JWH-018 verbieten zu lassen „JWH-018 ist auf einschlägigen Internetseiten einfach so zu bestellen. Vor Weihnachten gab es sogar Sonderangebote“, hat er beobachtet. Er fügt aber hinzu, dass das Verbot für alle synthetisierten Drogen gelten müsse. (mib)
http://www.ksta.de/html/artikel/1229427010140.shtml