Neue Droge erobert die Jugend
Legale Droge Spice wirkt wie Cannabis - Polizei machtlos
Landshut. (sj) Spice, eine neue Droge, ist bundesweit auf dem Vormarsch. Von der Wirkung ist es mit Cannabis vergleichbar, entscheidender Unterschied: Spice ist legal. Die Kräutermischung, die auch unter anderen Namen verkauft wird, gibt es auch in einem Landshuter Tabakladen. Konsumenten sind vielfach Jugendliche. Drogenberater und Ärzte warnen vor möglichen Folgeschäden. Die Polizei ist machtlos.
Die Hersteller von Spice reiben sich momentan wohl die Hände. Denn die Nachfrage nach den kleinen silbernen Kräuterpäckchen ist enorm: Wohin man auch schaut, überall ist es ausverkauft. Einschlägige Internetshops vertrösten potentielle Käufer bis auf weiteres - "zur Zeit leider nicht lieferbar".
Was Konsumenten traurig stimmt, lässt Polizei und Drogenberater kurz durchatmen. Denn die ominöse Kräutermischung, die auch in Landshut immer mehr Abnehmer findet, wirkt wie Cannabis: "Spice berauscht und trübt die Sinneswahrnehmung ein", sagt Manfred Thalkofer, Leiter des Rauschgiftdezernats der Kriminalpolizeiinspektion. Mehrere jugendliche Konsumenten berichteten ihm von der Wirkung der nach Gewürzen riechenden Droge. "Das ist bei jungen Leuten momentan der Renner", sagt der Kriminalhauptkommissar. Dem Leiter der Caritas-Fachambulanz, Jürgen Finsterhölzl, berichtete ein Landshuter Tabakhändler, dass bis vor einigen Wochen 30 bis 40 Leute pro Tag nach Spice gefragt hätten.
Eine Handhabe gegen diesen Konsum haben er und seine Kollegen allerdings nicht. Denn Spice ist nicht verboten. Thalkofer zufolge liegt das an den noch nicht erforschten Inhaltsstoffen. Laut Internetanbietern sind wohlklingende Kräuter wie Zornia Latifolia, Pinker Lotus und Meeresbohne beigemischt. Aber auch "Wild Dagga" und "Indian Warrior" sind Bestandteil - diese Namen lassen schon eher an Drogenrausch denken. "Das Landeskriminalamt untersucht gerade die Inhaltsstoffe auf ihre Wirkung", sagt Thalkofer. Den Umstand, dass die Substanzen im Körper bisher nicht nachweisbar sind, nutzen offenbar auch einige Autofahrer aus. Doch Thalkofer warnt: Erwischt die Polizei offensichtlich von Spice berauschte Fahrer, werden sie aus dem Verkehr gezogen.
Gerade weil die Inhaltsstoffe noch völlig unerforscht sind, warnt Finsterhölzl vor den Gefahren des Konsums: "Über die Langzeitwirkung weiß man noch gar nichts." Zudem liege der Verdacht nahe, dass noch andere Inhaltsstoffe als die auf der Verpackung angegebenen drin seien. Auch Dr. Jürgen Unger, Oberarzt der Suchtstation am Bezirkskrankenhaus, sieht Gefahren: "Wenn Spice ähnlich wirkt wie Cannabis, dann können im ungünstigsten Fall Psychosen mit Halluzinationen und Angstzuständen hervorgerufen werden."
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