Nebenwirkungen und Langzeitfolgen unbekannt

Eine neue Droge namens "Spice" erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei Jugendlichen. Die Kräutermischung ist ganz legal und auch noch günstig. Drei Gramm kosten weniger als 20 Euro. Doch der Konsum birgt Risiken und Nebenwirkungen.
Ähnlich wie Cannabis
In kleinen, bunten Tütchen verpackt wird die Kräutermischung "Spice" offiziell als esoterischer Räucherduft verkauft. Jugendliche interessieren sich aus ganz anderen Gründen dafür. Sie beräuchern damit nicht ihre Zimmer, sie rauchen Spice im Joint. Konsumenten berichten, die enthaltenen Kräuter wie Blauer Lotus, Helmkraut und Marihuanilla wirkten ähnlich wie Cannabis.
Da Spice ganz legal erhältlich ist, stellt der Erwerb für die Jugendlichen kein Problem dar. Die Nachfrage ist groß. Ein Verkäufer in einem Headshop, einem Spezialladen für Wasserpfeifen und Zubehör, in Kiel berichtet von täglich 30 Anfragen - sogar aus Hamburg reisten Kunden an. Große Nachfrage, große Gewinnspanne - "Spice" ist ein Riesengeschäft für die Headshops - ganz legal, aber nicht ohne Nebenwirkungen. Konsumenten berichten von Halluzinationen, Übelkeit oder Stimmungsschwankungen.
Rätselhafte Symptome
Für einige Konsumenten endete der "Spice"-Rausch bereits im Krankenhaus. Mit rätselhaften Symptomen: mal schnelle - mal niedrige Herzfrequenz, mal weite - mal enge Pupillen, mal schläfrig - mal nervös, alles im Wechsel. Nach Aussage von Gertrud Rochholz, Toxikologin an der Universität Kiel, enthält die Mischung Wirkstoffe von acht exotischen Kräutern - einige von ihnen seien noch unerforscht: "Eigentlich weiß man heute noch sehr wenig über 'Spice'. Man weiß, dass es eine Mischung von verschiedenen Pflanzeninhaltsstoffen ist, die alle psychoaktive Wirkungen haben, das heißt sie lösen Halluzinationen aus und Empfindungsstörungen und werden deshalb konsumiert."
Steigende Nachfrage
Welcher Stoff psychoaktiv wirkt, ist unbekannt, ebenso Nebenwirkungen und Langzeitfolgen. In der Schweiz ist "Spice" inzwischen verboten. In Deutschland dagegen setzt man auf Aufklärung, sagt Bernd Heinemann von der Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein. Doch wie aufklären, wie informieren, wenn auch die Verantwortlichen nichts wissen? Heinemann fordert daher an zentraler Stelle schnellstmöglich umfassende toxikologische Analysen von "Spice" und ähnlichen Kräutermischungen durchzuführen und diese Analysen systematisch zu veröffentlichen.
Bisher verläuft nur die Produktion, der Vertrieb und der Verkauf von "Spice" systematisch. 13.000 Päckchen monatlich kommen nach Angaben des Vertreibers nach Deutschland. Und die Nachfrage steigt.
Autor: Jasmin Klofta
http://www.ndrinfo.de/programm/sendu.../spice100.html