Rausch mit neuer Biodroge zum Kiffen
Von Miriam Betancourt, 13.11.08,

Die Verpackung sieht aus wie ein harmloser Teebeutel, doch der Inhalt soll es in sich haben. Das Räucherwerk „Spice“ gilt vor allem unter jungen Leuten als neue Modedroge zum Kiffen – erschwinglich mit dem Taschengeld. Politik, Polizei und Drogenexperten sind ratlos.
KÖLN - Meeresbohne, blaue Lotusblume oder Indischer Lotos – die Kräuter hören sich so harmlos an, ob sie es jedoch auch sind, weiß zurzeit niemand. Offiziell sind die getrockneten Pflanzen ohne Alterbeschränkungen zu kaufen – als Räucherwerk deklariert, um den Raum zu aromatisieren. „Das ist jedoch bestimmt nur ein Umweg des Herstellers, um das Zeug einfacher unter die Leute zu bringen“, sagt Ralf Wischnewski von der Drogenhilfe Köln. Auf den Markt gebracht hat Spice die britische Firma „Psyche Deli“, deren Webseite im Internet zurzeit aber nicht mehr zu finden ist.
„Vor allem unter Schülern ist Spice ein großes Thema“, sagt Wischnewski. In Gesprächen mit Konsumenten hätte er über die Wirkung immer wieder widersprüchliche Aussagen bekommen. „Es gibt Berichte, dass Spice eine ähnliche Wirkung wie Cannabis erzeuge. Andere sagen, dass die Wirkung eine völlig andere sei und dritte wiederum berichten, sie hätten gar nichts gespürt.“
Keine wissenschaftlichen Studien
Wissenschaftliche Erkenntnisse gibt es noch nicht. Der Trend ist zu neu. In einer vorläufigen Untersuchung hat der Toxikologe Thomas Daldrup von der Uniklinik Düsseldorf keine Substanzen in den Kräutern entdeckt, die den Rausch erklären könnten. Es würden beim Rauchen jedoch auf jeden Fall giftige Gase inhaliert, die den Kreislauf störten und als Rausch interpretiert werden könnten. „Der Rausch ist sehr unterschiedlich beschrieben worden“, sagte Wischnewski. Es soll ein widerwärtiges Kratzen im Hals und einen sehr unangenehmen Geschmack gegeben haben.“ Danach hätten die Konsumenten sehr lange geschlafen und seien am nächsten Morgen wie gerädert aufgewacht.
Da es keine belastbaren Erkenntnisse gibt, sind der Politik die Hände gebunden. Spice ist nicht per Betäubungsmittelgesetz zu verbieten. Unter das Gesetz fallen lediglich Mittel mit einer psychoaktiven Wirkung. Allein süchtig machende Stoffe kommen nicht auf die Verbotsliste. Sonst dürften Geschäfte auch keine Zigaretten oder Wein verkaufen. Die Polizei kann also nicht gegen Spice-Konsumenten vorgehen. Auch einen Drogen-Test gibt es nicht, schließlich wüssten die Entwickler noch nicht einmal, wonach sie suchen sollten. Die Modedroge ist ganz einfach in so genannten Headshops zu bekommen – für einen Preis von 30 Euro für drei Gramm. Vorausgesetzt der Laden hat Spice vorrätig, die Modedroge ist zurzeit ausverkauft.
„Viele Konsumenten machen den Fehler zu glauben, eine Droge aus natürlichen Substanzen sei ungefährlicher als aus chemischen“, sagt Wischnewski. Das sei jedoch ein Irrglaube. „Wenn ich noch nicht einmal weiß, was ich da rauche, sollte ich die Finger davon lassen.“ Er geht jedoch davon aus, dass Spice kein Massenphänomen wird. „Das ist zurzeit ein Hype, vor allem unter Schülern. Sie wollen es unbedingt einmal ausprobieren“, lautet die Einschätzung des Drogenexperten. Dennoch werde es wohl Menschen geben, die Spice auch in Zukunft regelmäßig konsumieren werden.
http://www.ksta.de/html/artikel/1226443131343.shtml