Unbekannte Gefahr
Von Katja Feiler

Welche Stoffe in Spice enthalten sind, ist weitgehend unbekannt. Foto: dpa
Heilbronn - In einer Disco in Heilbronn drückt ein Unbekannter dem Tänzer einen bunten Flyer in die Hand. In einem Schaufenster eines Internetcafés in Heilbronn hängt ein Plakat: Die Werbung für die Biodroge Spice läuft im Unterland relativ offen. Denn: Noch ist die Droge nicht verboten. Doch erste Ermittlungsverfahren der Heilbronner Staatsanwaltschaft gegen Händler laufen. Wer die Droge konsumiert, bringt sich und andere in Gefahr.
Die Unterländer Polizei und die hiesige Staatsanwaltschaft sind alarmiert: Wer die Kräutermischung raucht, ist benebelt, nicht mehr Herr seiner Sinne. Der Kripo-Chef Volker Rittenauer berichtet von Jugendlichen, die unter dem Einfluss von Spice zugeschlagen haben.
Vor allem junge Leute soll Spice ansprechen. Das zeigt schon die peppige, glitzernde Verpackung. Die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, Michaela Molnar, weiß: „Inzwischen kennt jeder Jugendliche diese Droge.“ Seit Anfang des Jahres ist sie in der Region in Mode gekommen. In den letzten Monaten taucht der Name Spice häufig in Aktenvermerken von Gewalttaten auf. Schlimm ist, so Molnar: „Die jungen Leute haben kein Bewusstsein dafür, was sie da tun. Sie prahlen noch damit, dass sie auf Spice seien.“
Doch keiner weiß, was er da raucht, warnt auch der Klinikdirektor der Kinderklinik am Gesundbrunnen in Heilbronn, Professor Walter Kachel: „Es gibt damit noch keine Langzeiterfahrung. Deshalb wissen wir nicht, ob die Kräuter vielleicht auf lange Sicht nicht auch giftige Wirkung haben.“
Einstiegsdroge
Vor allem junge Leute wähnen sich bei ihrem Trip durch das angebliche Naturprodukt in Sicherheit, da es noch nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Doch Rittenauer warnt: „Wir greifen vor allem bei Jugendlichen rigoros durch.“ Denn klar ist: Wer mit Spice den Anfang macht, schreckt erfahrungsgemäß irgendwann vor anderen Drogen auch nicht mehr zurück.
Die Polizei beschlagnahmt die Droge und informiert die Eltern. Die Beamten können nach dem Polizeirecht durchgreifen - das gilt immer, wenn Gefahr für den Einzelnen oder durch ihn für andere besteht. Auch der Führerschein ist in Gefahr, warnt Molnar: „Wir melden es an die Führerscheinstelle, wenn jemand unter Einfluss von Spice erwischt wird.“
Das heißt: Die Eignung zum Führen eines Fahrzeugs kann aberkannt werden. Wer noch keinen Führerschein hat, darf ihn erst gar nicht machen. Wer auf Spice einen Fahrfehler macht, begeht eine Trunkenheitsfahrt. Die Fahrerlaubnis ist direkt weg. Noch fühlen sich Spice-Konsumenten auf der sicheren Seite. Das wird sich bald ändern, ist sich Molnar absolut sicher. „Die Rechtsprechung wird reagieren.“
Hintergrund: Die Droge Spice
Auf der Packung steht, die Kräutermischung solle als Räuchermittel, also zum Beispiel auf einer Duftlampe, verwendet werden. Doch um die berauschende Wirkung zu erzielen, rauchen die Konsumenten die getrockneten Kräuter und Pflanzenteile wie Joints. Aus welcher Mischung Spice genau besteht, ist noch nicht genau erforscht, und genau darin sehen die Experten eine besondere Gefahr der Droge. Die Heilbronner Staatsanwaltschaft lässt beschlagnahmte Päckchen jetzt untersuchen.
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