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Modedroge für legalen Rausch: Spice
Modedroge für legalen Rausch
"Spice": Es ist legal, wirkt wie Cannabis und ist Jugendlichen wohlbekannt: Spice, die Kräutermischung, hat tödliches Potenzial. Fragen wir einen 16-jährigen Gymnasiasten aus Niederösterreich, dann kommt es wie aus der Pistole geschossen: "Spice ist eine chinesische Kräutermischung, die so ähnlich wie Marihuana wirkt und das rauchen bei uns schon die 13-, 14-Jährigen." Spice ist in der Tat eine Mischung aus verschiedenen exotischen Kräutern. Und es ist der neue Renner unter den Jugendlichen. Im Gegensatz zu Cannabis-Produkten, wie Marihuana, ist es ganz legal erhältlich. Und es wirkt ähnlich. "Manchmal sogar stärker", wie der 18-jährige Charlie (Name von der Redaktion geändert) aus dem südlichen Niederösterreich aus eigener Erfahrung berichtet. Selbst bei der Polizei ist das Mittel großteils unbekannt. "Aber wir kümmern uns auch nicht darum – es ist ja nicht verboten", so ein Oberst der Kriminalpolizei. Nur weil es legal erhältlich ist, heißt es nicht, dass das "Bio-Produkt" Spice auch ungefährlich ist. Ganz im Gegenteil. Gefährlich Führende Drogenexperten warnen ausdrücklich vor dem Genuss des Rauschmittels. "In Wirklichkeit sind solche Substanzen wesentlich gefährlicher, als künstlich hergestellte", sagt Univ. Prof. Michael Musalek, Leiter des Anton-Proksch-Instituts in Wien-Kalksburg (siehe Interview) . Angepriesen wird Spice in einschlägigen Shops, zum Beispiel in Wien, Wiener Neustadt, der SCS, oder sogar in Enzesfeld (Bezirk Baden). Offiziell nicht als Marihuana-Ersatz, sondern als Räuchermittel. "Es ist jedem selbst überlassen, wie er es konsumiert", sagt ein Verkäufer, der auch zahlreiche andere Kräuter – sedierend, aufputschend oder angeblich sogar aphrodisierend – in seinem Shop anbietet. "Es wird geraucht wie Gras", erklärt Charlie. Mit Tabak und dem Spice-Kraut wird eine Zigarette gedreht und deren Rauch inhaliert. "Beim ersten Mal hab ich gar nichts gespürt, aber beim zweiten Mal ist es extrem eingefahren", berichtet der 18-Jährige. "Eigentlich ist die Wirkung bei jedem gleich. Zuerst bekommt man einen Lachanfall und wird dann irrsinnig müde, kann sich kaum noch bewegen." Acht Stunden dauert die Wirkung an. "Wie Guglhupf" "Länger eigentlich als bei Marihuana", das Charlie lieber raucht als Spice. "Spice schmeckt nicht so gut und riecht irgendwie nach Guglhupf." Aber wenn kein Gras da ist, besorge man sich halt das legale Mittel. Charlie raucht Spice immer gemeinsam mit Freunden. Den Hinweis auf das Produkt hat er von anderen Jugendlichen bekommen. Welche Wirkstoffe sein Gehirn beeinflussen, sagten ihm die anderen Jugendlichen nicht. Konnten sie auch nicht. Die Inhalte von Spice sind noch nie analysiert worden. Bis vor Kurzem. Vom KURIER auf die Problematik angesprochen, erklärte sich Dr. Günter Gmeiner, Leiter des Drogen- und Dopinglabors der Austrian Research Centers in Seibersdorf, NÖ, spontan bereit, das Kraut erstmals unter dieLupe zu nehmen. "Wir haben das Ganze mit Gas-Chromatografie und Massenspektrometrie einer Übersichtsanalyse unterzogen", sagt Gmeiner. Verbotene Suchtgifte, wie das in Cannabis-Produkten enthaltene THC, konnten nicht gefunden werden. "Ich habe mich dann in der einschlägigen Literatur eingelesen und mit Kollegen in der Schweiz kurzgeschlossen – es gibt in dieser Mischung eine erschöpfende Menge an Wirkstoffen", so der Forscher. "Die Effekte sind von Cannabis bekannt – erhöhter Puls und Angstzustände." Überdosierungen könnten aber auch zum Tod führen. "Es wird in die Richtung gehen, dass man sich verstärkt bestimmten Wirkstoffen, wie zum Beispiel Leonurin, widmen muss", sagt Gmeiner. Da bedürfe es aber eines Forschungsprojektes. "Ich kann mir vorstellen, dass der Gesetzgeber die Suchtgift-Verordnung auf cannabisähnliche Pflanzen ausdehnt", wagt Gmeiner einen Blick in die Zukunft. In der Schweiz werde derzeit geprüft, ob man das Rauchen von Spice via Tabakgesetz verbieten könnte. Potenziellen Konsumenten rät der Seibersdorfer Forscher von Spice dringend ab: "Man muss immer bedenken – wenn etwas neu auf den Markt kommt, gibt es keine Erfahrung mit dem Produkt. Die Leute, die das konsumieren, sind Versuchskaninchen. Man kann noch nicht sagen, ob es gesundheitliche Folgen haben wird." Psychische Störungen zum Beispiel – oder den Tod. Charlie, dem Spice-Raucher, ist das egal. Viel mehr lehnt er es ab – wenn auch nur von hinten – fotografiert zu werden. "Meine Mama erkennt mich von hinten. Die bringt mich um, wenn sie weiß, dass ich das rauche." |
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