Der
Fliegenpilz, auch bekannt unter dem Namen
Amanita muscaria ist ein, auch in unseren Breiten, leicht zu findender Pilz mit psychoaktiven Alkaloiden.
Folgender Text soll einige Antworten auf Fragen geben, die ich immer wieder höre, wenn ich jemandem erzähle, welche Naturdrogen sich hierzulande finden lassen. Im Grunde eine FAQ, aber vielleicht auch ein wenig mehr.
[top]Ist der Fliegenpilz toedlich oder extrem schädlich?
Ganz klar: Nein!
Der Fliegenpilz ist weitaus ungiftiger als im Volkmund erzählt wird. Ich denke, man erzählt die Geschichten vom tödlichen Fliegenpilz Kindern nur, weil der Fliegenpilz durch sein Erscheinen so sehr reizt und anzieht. Insgesamt sind nur etwa 2-3% aller Pilzvergiftungen auf den Fliegenpilz zurückzuführen, davon verlaufen nur etwa 3% tödlich. Bert Marco Schuldes schreibt in 'Psychoaktive Pflanzen', dass bisher nur ein bekannter Todesfall in der gesamten euroasiatischen und nordamerikanischen Geschichte durch Jonathan Ott festgestellt werden konnte.
[top]Wo findet man Fliegenpilze?
Fliegenpilze findet man am häufigsten in Kiefer- und Fichtenwäldern im gemäßigtem Klima.
[top]Ist der Fliegenpilz nicht so eine Neuzeitdroge wie etwa XTC?
Der Fliegenpilz ist keineswegs eine neu entdeckte Droge. Es ist stark vermutet worden, dass er mit dem Soma der altindischen Veden identisch ist. Dazu ein Ausschnitt aus 'Pflanzen der Goetter' von Richard E. Schultes und Albert Hofmann:
Soma, die altindische, zur Gottheit erhobene Rauschdroge, eroberte in magisch-religiösen Zeremonien der Arier, die vor 3500 Jahren von Norden her in das Industal einfielen und dort den Soma-Kult verbreiteten. Diese Eindringlinge beteten dieses Rauschmittel an und tranken einen aus ihm gewonnenen Extrakt bei ihren sakralen Handlungen. Während die meisten halluzinogenen Pflanzen lediglich als heilige Mittler galten, wurde Soma als selbstständige Gottheit anerkannt. Nach altindischer, im Rigveda (einem Teil der Veden) festgehaltener Ueberlieferung 'war der Vater Somas Parjanya, der Gott des Donners'.
Durch die Unterdrückung des Kultes, geriet diese Pflanze leider in Vergessenheit. Ein anderes Beispiel ist, dass die sibirischen Stämme vor der Einführung des Alkohols keine anderen Rauschmittel neben den Pilzen kannten. Der Pilz war sogar so verehrt, dass Arme, die keine Mittel für einen Pilzvorrat hatten, den Urin von Leuten tranken, die Fliegenpilze zu sich genommen hatten, denn die sibirischen Stämme erkannten früh, dass die psychoaktiven Stoffe des Pilzes unverändert oder als wirksame Metaboliten die Verdauungsorgane passierten, welches eine höchst seltene Eigenschaft bei pflanzlichen Halluzinogenen ist.
[top]Wie ist die Wirkung und welche Stoffe sind dafuer verantwortlich?
Verantwortlich fuer die halluzinogene Wirkung ist nicht, wie vor einiger Zeit fälschlich angenommen das Muscarin, sondern das Alkaloid Muscimol und die Ibotensäure. Bei Trocknung und/oder Erhitzung wird die Ibotensäure zu Muscimol decarboxyliert. Muscimol ist deutlich stärker und auch besser verträglich. Der Fliegenpilzrausch ähnelt meiner Meinung nach in gewissen Zügen einem Rausch mit Tropanalkaloiden d.h. z.b. Stechapfel (
Datura stramonium). Nach einiger Zeit, etwa 20 Minuten nach oraler Aufnahme wird man leicht benommen und gerät in eine Art Trance. Echte Halluzinationen, sowie Farbintensivierung und Sinneserweiterungen treten auf. Ich erlebte starke Grössenwahrnehmungsstörungen, so war z.B. meine Hand metergroß. Auch hatte ich starke Stimmungsschwankungen. Eine unangenehme Nebenwirkung war ein krampfhaftes, spontanes Erbrechen, was jedoch weder mich, noch die anderen sonderlich störte. Nach 4-6 Stunden klingt der Rausch ab. Aber Achtung, jede Droge wirkt bei jedem Konsumenten unterschiedlich. Oben genannte Erfahrungen habe ich persönlich gemacht und sollten nicht als Richtlinie fuer eine psychedelische Reise dienen.
[top]Wie nehme ich Fliegenpilze ein und wieviel sollte ich nehmen?
Die Dosis ist schwer zu bestimmen, da Wirkstoffschwankungen um den Faktor 100 keine Seltenheit sind. Hierbei spielen Standort, Witterung und Jahreszeit eine sehr große Rolle. Man sollte zuerst nicht mehr als einen mittelgroßen Pilz zu sich nehmen um die Potenz der Pilze, die man gesammelt hat, herauszufinden. Die gesammelten Pilze sollten getrocknet werden, da frische Pilze mitunter als unangenehm empfunden werden koennen. Noch eine Anmerkung: Die Pilze nie herausreißen, da sonst das Myzel ernsthafte Schäden davontragen kann. Immer mit einem Messer abschneiden. Dankt der Natur, sie tut euch soviel Gutes, und einen Schnitt zu machen ist auch nicht gerade der Hochleistungssport.
Die Temperatur beim Verarbeiten kann durchaus höher sein als bei psilocybinhaltigen Pilzen, denn die Ibotensäure soll möglichst zu Muscimol decarboxyliert werden. Auch wurde von einem Pilz-Vodka berichtet, bei dem eine getrocknete Huthaut in 150ml Vodka eingelegt und nach 3 Monaten in geselliger Runde getrunken wurde. Ein solcher Vodka reichte fuer eine Person aus. Häufig wird die Huthaut auch geraucht und soll Wirkungen zeigen. Jedoch konnte ich selbst bei ausgeprägtem Rauchen keine Wirkung verspüren. Rohe Pilze sollten möglichst gemieden werden, da Ibotensaeure wie schon angesprochen, unangenehme Nebenwirkungen verursachen kann.
- Bert Marco Schuldes - Psychoaktive Pflanzen (The Gruene Kraft)
- Richard E. Schultes, Albert Hofmann - Pflanzen der Goetter (AT Verlag)
- Ansha - Die magische Welt der Kelten (Ludwig Verlag)
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