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Antidepressiva Infos

Ein Antidepressivum ist ein Medikamente, welches hauptsächlich gegen Depressionen eingesetzt werden.





 

Contents

[top] Wirkung


Antidepressiva können
  • stimmungsaufhellend
  • beruhigend und angstlösend oder
  • antriebssteigernd wirken.
Der genaue Wirkungsmechanismus der Antidepressiva ist noch nicht abschließend geklärt. So weit bekannt ist, greifen Antidepressiva in die synaptische Erregungsübertragung des Gehirns ein und hemmen dort die Wiederaufnahme von Neurotransmittern aus dem synaptischen Spalt ins Nervenende. Dies betrifft die Neurotransmitter Serotonin und/oder Noradrenalin.
Die sogenannten MAO-Hemmer erhöhen durch die Blockade des Enzyms Monoaminooxidase die Konzentration der Neurotransmitter Noradrenalin, Serotonin und Tyramin.
Antidepressiva wirken nicht sofort, sondern erst nach einigen Tagen bis Wochen. Die Gründe hierfür sind noch ungeklärt, da die Erhöhung der Neurotransmitterkonzentration schon nach wenigen Stunden einsetzt. Man vermutet eine allmähliche Veränderung der Postsynapse. Die Besserung tritt also indirekt aufgrund von zellulären Veränderungsprozessen auf und nicht direkt durch die Medikamentengabe.
Falls es sich um antriebssteigernde Antidepressiva handelt, kann zu Beginn ein erhöhter Hang zur Selbsttötung bestehen, weil die antriebssteigernde Wirkung oft vor der Stimmungsaufhellung einsetzt. Eine Behandlung mit Antidepressiva sollte nach Möglichkeit "einschleichend" beginnen und "ausschleichend" beendet werden.
Grundsätzlich können Antidepressiva unabhängig von der Schwere einer Depression eingesetzt werden. Die durchschnittliche Responderquote (Ansprechen auf das Medikament) liegt bei etwa 70%, wobei gerade bei Depressionen psychodynamische Faktoren eine große Rolle spielen und es damit z.B. schwierig machen, die Placebowirkung eindeutig herauszufiltern.
Antidepressiva ersetzen normalerweise keine Psychotherapie, können aber im Falle von schweren Depressionen eine solche erst ermöglichen, da in diesen Fällen die als Voraussetzung einer erfolgreichen Therapie notwendige Ansprechbarkeit sonst oft nicht gegeben ist.




[top] Arten von Antidepressiva






[top] Trizyklische Antidepressiva


Der Name trizyklisch (griechisch: drei Ringe) leitet sich von der dreifachen Ringstruktur dieser Wirkstoffe her. Das erste trizyklische Antidepressivum Tofranil® (Imipramin) wurde in den 1960ern von Geigy entwickelt. Es folgten Substanzen wie z.B. Anafranil® (Clomipramin) sowie Saroten® (Amitriptylin). Sie wirken auf mehrere Neurotransmittersysteme gleichzeitig, indem sie die Wiederaufnahme von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin hemmen. Allerdings sind dadurch auch die Nebenwirkungen vielfältig. Die meisten Vertreter dieser Stoffgruppe wirken eher beruhigend - dämpfend. Diejenigen trizyklischen Antidepressiva, die eher wachmachend - antriebssteigernd wirken, zeigen zum Teil auch eine gute Wirksamkeit gegen Angst- und Panikstörungen (z.B. Clomipramin, Imipramin). Besondere Rolle spielt Clomipramin, das in der Behandlung von Zwangsstörungen, Agoraphobie und chronischen Schmerzzuständen seit Jahren erfolgreich eingesetzt wird. In einigen schweren und/oder chronischen Fällen, wenn die Patienten nicht auf neuere, nebenwirkungsärmere Substanzen aus der SSRI-Klasse ansprechen, stellt Clomipramin eine wichtige Alternative einer wirksamen medikamentösen Therapie dar.
Wirkstoffe sind z.B: Doxepin (Handelsname u.a. Aponal®), Clomipramin (Handelsname u.a. Anafranil®), Amitriptylin (Handelsname u.a. Saroten®).
Ähnlich wie die trizyklischen Antidepressiva wirken die tetrazyklischen, wobei sie insbesondere das Noradrenalin stärker beeinflussen. Aufgrund der Nebenwirkungen sind heutzutage Trizyklika selten Mittel erster Wahl; man greift jedoch bei schweren und/oder chronischen Fällen auf sie zurück. Nicht selten stellt sich dann heraus, dass in solchen therapieresistenten Fällen Trizyklika eine bessere und dauerhaftere Wirkung als andere Substanzklassen zeigen.




[top] MAO-Hemmer


MAO-Hemmer wirken, indem sie das Enzym Monoaminooxidase hemmen, welches für den Abbau der Neurotransmitter sorgt. Dadurch steigt die Konzentration der Neurotransmitter in der Nervenzelle an. Von diesem Enzym gibt es zwei Unterarten: A und B. In der Depressionsbehandlung werden hauptsächlich Medikamente eingesetzt, die Typ A hemmen. MAO-Hemmer, die auf Typ B wirken, setzt man meist in der Behandlung der Parkinson-Krankheit ein.
Die MAO-Hemmer haben eine hohe Nebenwirkungsrate, da es einmal Interaktionen mit Tyramin-haltigen Lebensmitteln gibt (Käse, Wein und viele andere), was dann beispielsweise zu starken Blutdrucksteigerungen führen kann. Außerdem muss zwischen der Einnahme eines MAO-Hemmers und einem anderen Antidepressivum eine Wartezeit eingehalten werden, um schwerwiegende Interaktionen zu vermeiden. Im Handel ist daher heute nur noch ein reversibler MAO-Hemmer (Moclobemid - Handelsname u.a. Aurorix®), bei dem diese Nebenwirkungen weniger gravierend auftreten.




[top] Atypische Antidepressiva


Die atypischen Antidepressiva unterscheiden sich von den übrigen Gruppen der chemischen Pharmaka durch einen andersartigen Wirkungsmechanismus. Wird Serotonin ausgeschüttet, registrieren Nervenzellen dies gewöhnlich durch spezielle Rezeptoren an der äußeren Zellwand und stellen anschließend die Ausschüttung ein. Die atypischen Antidepressiva wirken nun, indem sie diese Rezeptoren blockieren und so die Zelle zu einer Fortsetzung der Ausschüttung bewegen. So erhöht sich der Serotoninspiegel am synaptischen Spalt, was mit einer stimmungsaufhellenden Wirkung einhergeht. Wirkstoff z.B. Mianserin (Handelsname u.a. Tolvin®)




[top] Phytopharmaka


Phytopharmaka sind pflanzliche Wirkstoffe. Hierzu gehört bei den Antidepressiva insbesondere das Johanniskraut, das eine stimmungsaufhellende Wirkung besitzt. Es kann bei leichten bis mittelschweren Depressionen eingesetzt werden. Johanniskraut ist in verschiedenen Darreichungsformen (zum Beispiel als Tee, Tabletten etc.) erhältlich und teilweise frei verkäuflich. Wirksam gegen Depressionen sind aber nur die apothekenpflichtigen Mittel. Auch bei Johanniskraut ist mit der bei anderen Antidepressiva üblichen verzögerten Wirksamkeit von ca. 10 - 14 Tagen zu rechnen. An Nebenwirkungen verursacht Johanniskraut z.B. eine gesteigerte Lichtempfindlichkeit der Haut (wie andere, chemische Antidepressiva auch). Johanniskrautpräparate zeigen häufig Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, z.B. der Antibabypille.
Unruhezustände und Angst können zusätzlich mit Baldrianwurzel, Melisse und Hopfen bekämpft werden.
Das früher verwendete Kava-Kava soll angeblich zu schweren Leberschäden führen und ist daher inzwischen in de nicht mehr zugelassen.




[top] Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI)


Die SSRI blockieren nur die Rezeptoren, die für die Wiederaufnahme eines einzigen Botenstoffes, des Serotonin, zuständig sind. Dadurch sind die Nebenwirkungen entsprechend geringer als bei den trizyklischen Antidepressiva. Wirkstoffe dieser Gruppe sind zum Beispiel Fluvoxamin (Handelsname u. a. Luvox® oder Fevarin®), Fluoxetin (Handelsname unter anderem Fluctin®, in Amerika Prozac®), Citalopram (Handelsname u.a. Cipramil®, in den USA Celexa®), Sertralin (Handelsname u.a. Zoloft®) und Paroxetin (Handelsname u.a. Seroxat®). Mehrere Medikamente der SSRI - Gruppe eignen sich auch zur Behandlung von Angststörungen und Panikattacken.




[top] Nebenwirkungen


Während der Behandlung, je nach Art des eingesetzten Antidepressivums können auftreten:
  • Kardiovaskuläre Störungen wie Blutdrucksenkung und Tachykardie, Herzrhythmusstörungen
  • Verstopfung
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen
  • Schlafstörungen
  • Zittern, Erregungszustände
  • Mundtrockenheit
  • Libidoverlust, Anorgasmie
  • Gewichtszu-/abnahme
  • Lichtempfindlichkeit der Haut
Nach derzeitigem Wissensstand führt die Einnahme der Antidepressiva nicht zur Abhängigkeit, weshalb bei der Behandlung von Angstzuständen, wenn dies neben einer psychotherapeutischen Behandlung erforderlich erscheint, eher eines der geeigneten Antidepressiva (z.B. Clomipramin, mehrere SSRI) zu empfehlen ist als ein Medikament der Benzodiazepingruppe mit ihrem hohen Suchtpotenzial. Auch wenn SSRI nach der aktuellen DSM-IV Definition nicht abhängig machen, da sie kein Missbrauchspotential haben, können Sie doch Absetzphänomene hervorrufen, welche teils auch schwerwiegend sein und über einen längeren Zeitraum auftreten können.
Eventuell ist mit Rebound-Effekten nach Absetzen zu rechnen, z.B. kann nach Absetzen eines beruhigenden Antidepressivums vorübergehend verstärkte Unruhe auftreten.
Sofern unter der Behandlung mit Antidepressiva eine depressive Phase abgeklungen ist, ist allerdings normalerweise mit einem problemlosen Absetzen zu rechnen, vor allem bei Medikamenten aus der SSRI-Gruppe.
Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass die bei Depressionen häufig bestehende Rückfallgefahr durch eine Kombination aus Antidepressiva und Psychotherapie eher gemindert wird, als durch die alleinige Gabe eines Medikaments.




[top]Literatur


  • Walter E. Müller: Wirkungsmechanismen moderner Antidepressiva. Pharmazie in unserer Zeit 33(4), S. 288 - 295 (2004), ISSN 0048-3664




[top]Web Links


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