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| Downers Drogen-Forum über Benzodiazepine, Barbiturate und andere Beruhigungsmittel |
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Barbiturate Infos
Barbiturate sind Derivate der Barbitursäure und waren lange Zeit als Medikamente, hauptsächlich als Schlafmittel, erhältlich. Inzwischen wurden sie fast vollständig von anderen Stoffen verdrängt, z.B. den Benzodiazepinen.
Durch Veränderungen der chemischen Struktur wird nicht der schlafanstoßende Effekt insgesamt, sondern nur die Geschwindigkeit des Schlafeintritts und die Schlafdauer beeinflusst. Thiobarbiturate enthalten statt des Sauertstoff-Atoms am 2. C-Atom ein Schwefelatom. R1 R2 Barbitursäure -H-H Barbital -C2H5-C2H5 Allobarbital -CH2-CH=CH2-CH2-CH=CH2 Phenobarbital -C2H5-C6H5 (Phenyl) Cyclobarbital -C2H5-C6H9 (Cyclohexenyl-1) Amobarbital -C2H5-(CH2)2-CH(CH3)2 Pentobarbital -C2H5-CH(CH3)-C3H7 Heptabarbital -C2H5-C7H11 Vinylbarbital -CH=CH2-CH(CH3)-C3H7 Secobarbital -CH2-CH=CH2-CH(CH3)-C3H7 Butalbital -CH2-CH=CH2-CH2-CH(CH3)2 Allgemeines Aufgrund der weiten Verbreitung und des starken Missbrauchs dieser Arzneimittelgruppe in den vergangenen Jahrzehnten und der Tatsache, dass die meisten barbituratenhaltigen Arzneimittel vom Markt genommen wurden, denken einige experimentierfreudige Drogenkonsumenten, dass diese Substanzen ein besonders hohes Missbrauchspotential haben müssen. Der Hauptgrund für den Rückzug der Arzneimittel (besonders sämtliche barbiturathaltigen Schlafmittel) ist aber vorwiegend deren hohe Toxizität (weshalb diese Präparate ein beliebtes Suizidmittel waren) und die Entwicklung neuer, ungefährlicherer Schlafmittel und Sedativa (Benzodiazepine, Zopiclon, Zolpidem und Zaleplon) mit deutlich geringerer Toxizität und weniger negativen Auswirkungen auf den Schlafablauf. So verkürzen kurz wirksame Benzodiazepine und benzodiazepinähnliche Schlafmittel die REM-Phase im Gegensatz zu den Barbituraten kaum, was zu einem erholsameren Schlaf führt. Benzodiazepine sind ausserdem zum Suizid völlig ungeeignet, da sie erst in astronimisch hohen Dosen letal wirken und die Vergiftungen mit dem spezifisch wirkenden Antidot Flumazenil (Anexate(R)) schnell und problemlos behandelt werden können.
[top]WirkungenAlle in die Therapie eingeführten Barbiturate wirken qualitativ gleich: je nach Dosis sedativ, hypnotisch oder narkotisch. Ausserdem antikonvulsiv/antiepileptisch (besonders ausgeprägt bei Barbituraten mit einem Phenylrest an C-5, z.B. Phenobarbital). Entgegen früheren Annahmen wirken Barbiturate nicht analgetisch und verstärken die Wirkung von Schmerzmitteln auch nicht, in niedrigen Dosen erhöhen sie sogar die Schmerzempfindlichkeit. [top]Struktur-Wirkungs-BeziehungenWerden die Alkylreste an C-5 verlängert, nimmt die Wirkung bis zu einer Kettenlänge von 7-8 Kohlenstoffatomen zu. Substanzen mit verzweigtkettigen oder ungesättigten Substituenten sind wirksamer als solche mit geradkettigen oder gesättigten Substituenten. Methylierung an N-1 hat ebenfalls eine Wirkungssteigerung zur Folge. Ein Phenylrest an C-5 erhöht die antikonvulsive Wirkung und schwacht in equivalenten Dosen die hypnotische Wirkung ab. Thiobarbiturate sind ebenfalls stärker wirksam, werden aber im Körper durch Substitution des S durch O schnell zu den entsprechenden Barbituraten abgebaut (z.B. Thiopental --> Pentotal). Substanzen mit gesättigten geradkettigen und aromatischen Substituenten an C-5 zeigen besonders lange Wirkdauer. Durch Einführung verzweigtkettiger, ungesättigter oder halogenierter Substituenten und durch N-1-Methylierung wird die Wirkdauer verkürzt. [top]SubstanzenBarbiturate sind Derivate der Barbitursäure, dem cyclischen Kondensationsprodukt von Malonsäure mit Harnstoff. Infolge ihrer hohen Acidität (pKa 4,0) liegt die Barbitursäure im Organismus als Anion vor und kann die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren, ist also nicht hypnotisch wirksam. Um zu wirksamen Schlafmitteln zu kommen, müssen beide H-Atome an C-5 substituiert werden, wodurch die Acidität herabgesetzt und die Lipophilie erhöht wird. Eine weitere Verringerung der Acidität und Erhöhung der Lipophilie kann durch Methylierung an N-1 erreicht werden (z.B. Hexobarbital, Metohexital). Die meisten Barbiturate fallen unter das BtmG (Anlage III), sind also (über Btm-Rezept) weiterhin verschreibungsfähig. Aus oben genannten Gründen und wegen dem Fehlen von Fertigarzneimitteln wird das heute kaum noch praktiziert. In einigen Ländern sind aber noch Barbituratpräparate am Markt und können illegalerweise eingeführt werden, was aber ein Vegehen gegen das BtmG darstellt. Die heute noch in Deutschland zugelassenen Barbiturate sind Metohexital (Brevimytal(R) Natrium) und Thiopental (Thiopental "Nycomed" und Trapanal(R)) als intravenöse Narkosemittel und Phenobarbital (Lepinal(R), Lepinaletten(R), Luminal(R) und Luminaletten(R)) als Antiepileptikum. Das Antiepileptikum Primidon (Liskantin(R), Mylepsin(R), Primidon Holsten und Resimatil(R)), formal ein Desoxybarbiturat, wird im Körper zu Phenobarbital metabolisiert. [top]VertreterHier nun eine Liste der wichtigsten Barbiturate mit Handelsnamen (kursiv geschriebene Präparate sind heute noch im Handel), Indikation und ggf. mittlerer hypnotischer Dosis (MHD) und Dosis letalis (DL): [top] sehr kurz bis kurz wirksam
[top] mittellang wirksam
[top] lang wirksam
[top] PharmakologieBei oraler Gabe werden die Barbiturate (die freien Säuren in gleicher Weise wie ihre Salze) gut und schnell resorbiert. Ein beträchtlicher Teil (30-60%) wird an Plasmaproteine gebunden, den nichtgebundenen Anteil findet man in unterschiedlicher Konzentration in fast allen Geweben. Während die langwirkenden Substanzen weitgehend unverändert mit dem Urin ausgeschieden werden, unterliegen die kürzer wirkenden Substanzen einem fast vollständigem Abbau in der Leber. Bei verminderter Leberfunktion kann daher die Wirkungsdauer dieser Stoffe erheblich verlängert sein. Der Abbau findet bevorzugt an den Substituenten von C-5 statt (Hydroxylierung, Oxidation zu Ketonen oder Carbonsäuren). Daneben wurde eine hydrolytische Ringöffnung nachgewiesen. N-methylierte Substanzen können demethyliert werden. Bei Thiobarbituarten erfolgt ein Austausch des Schwefels gegen Sauerstoff. Nach wiederholter Zufuhr ist die Abbaugeschwindigkeit der meisten Barbiturate grösser als bei der ersten Gabe. Als Ursache wurde eine Enzyminduktion (Aktivitätszunahme der entsprechenden Enzyme) festgestellt. Da es sich hierbei um relativ unspezifische Enzyme handelt, können als Folge der Enzyminduktion auch Substanzen anderer chemischer Struktur u.U. schneller abgebaut werden. [top] NebenwirkungenIn therapeutischen Dosen sind Nebenwirkungen vergleichsweise selten. Gelegentlich können gastrointestinale Störungen (Magen-Darm-Störungen) und und allergische Reaktionen auftreten. Ausserdem Überhangseffekte und "Katersymptome". Bei regelmässiger Einnahme kommt es durch Enzyminduktion zu Toleranzbildung, bei lang wirkenden Substanzen kommt es zur Kumulation (Anhäufung) des Wirkstoffes im Körper, was zu einer schleichenden Vergiftung führen kann. Mit steigenden Dosen können sich diese Nebenwirkungen häufen und verstärken. Beim Absetzen nach längerer Einnahme therapeutischer Dosen kommt es zum REM-Rebound, die REM-Phasen des Schlafes sind also übermässig verlängert. In einigen Fällen wirken Barbiturate nicht zentral dämpfend, sondern zentral erregend und euphorisierend. Damit besteht die Gefahr einer Barbituratsucht. Die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit ist verhältnismässig hoch, die einer psychischen Abhängigkeit ebenfalls! [top]MissbrauchEs werden zwei Formen des chronischen Barbituratmissbrauchs unterschieden: [top] GewohnheitsbildungHierunter fallen Patienten, die Barbiturate regelmässig als Schlafmittel in grösseren Dosen einnehmen. Ein Entzug ist vergleichsweise problemlos möglich. [top] BarbituratsuchtNur wenn der Patient auf Barbiturate abnorm bzw. paradox reagiert, also Barbiturate euphorisch und erregend wirken, und diese Substanzen zur Anhebung der Stimmungslage und nicht um schlafen zu können einnehmen, kann er barbituratsüchtig werden. In diesem Fall ist ein Entzug äusserst gefährlich, da beim plötzlichen Absetzen epileptische Anfälle und toxische Psychosen auftreten können. Barbiturate sind also nicht wirklich zum Missbrauch geeignet, da nur ein kleiner Teil der Patienten paradox reagiert. Auch als Schlafmittel sind sie nicht zu empfehlen, da der Schlaf nicht sehr erholsam ist. [top] VergiftungenBei einer Barbituratintoxikation sollte so schnell wie möglich ein Notarzt gerufen werden! Dieser muss über das eingenommene Präparat und evtl. die Dosis in Kenntnis gesetzt werden! Bei leichten bis mittelschweren Vergiftungen lassen sich die Patienten aus dem Schlaf nicht erwecken, reagieren aber auf Schmerzreize mit Abwehrbewegungen. Ausser einer sorgfältigen Überwachung und evtl. einer Magenspülung bedürfen sie in der Regel keiner weiteren Behandlung. Das ist aber nur im Krankenhaus durchführbar! Bei schweren Vergiftungen besteht tiefes Koma, das von einer Gewebsanoxie begleitet ist (erkenntlich z.B. an bläulichen Lippen). Die Atmung ist flach, anfänglich beschleunigt, später verlangsamt, die Herzfrequenz erhöht, der Blutdruck mehr oder weniger stark erniedrigt. Reflexe sind abgeschwächt bis erloschen. Unbehandelt tritt nach wenigen Stunden bis mehreren Tagen der Tod infolge Kreislaufinsuffizienz, Atemlähmung oder Lungenödem ein. Als Sofortmassnahme müssen, bis zum Eintreffen des Notarztes, die Vitalfunktionen erhalten werden. Bei Atemlähmung sofort mit Mund-zu-Nase Beatmung beginnen. Den Patienten evtl. vor Wärmeverlust schützen. Auf keinen Fall sollte man den Patienten erbrechen lassen, da die Gefahr, das Erbrochene einzuatmen, zu hoch ist, vor allem, wenn der Patient schon nicht mehr ansprechbar ist. Analeptika dürfen nicht gegeben werden. Der Rest sollte dem Notarzt und der ITS überlassen werden... [top] NachtragMeiner Meinung nach stellen Barbiturate keine zum Missbrauch empfehlenswerte Stoffgruppe dar. Die Meisten, die sie trotzdem probieren, werden wohl tief und fest schlafen und den nächsten Tag einen deutlichen Hang-Over haben. Sonst nichts. Und Schlafmittel gibt es bessere. Ich denke nicht, dass die Präparate aus dem Ausland oder vom Schwarzmarkt ihr Geld wert sind, dafür kann man sich etwas besseres gönnen... [top] WidmungDiesen Text widme ich Emil Fischer, dem im Jahr 1903, also vor über 100 Jahren, die Synthese des ersten therapeutisch verwendeten Barbiturats gelang, dem Barbital (Veronal®). [top]Info[top]QuellenangabeE. Mutschler - Arzneimittelwirkungen, 1. Auflage, 1970 und 8. Auflage, 1998; R. Ludewig / KH. Lohs - Akute Vergiftungen und div. Vorlesungsskripte [top]VerfasserHDZ Von "http://www.drogen-forum.com/wiki/index.php/Barbiturate" Geklaut/gesichert aus dem untergegangenen DF |
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